Tratsch und Klatsch – Übel oder Lebensverlängernd?

klatschtratschsoziale-funktion

Im Standard-Artikel werden einige Facetten des Kommunikationsphänomens „Traschten“ beleuchtet. Es dient dem Gruppenzusammenhalt, festigt die Beziehungen, kann einem besser da stehen lassen oder legt informell Gruppennormen fest. Wir sind wohl die einzigen Säugetiere, die es soweit gebracht haben. Studien von Verhaltensforschern (s. H. Dunbar) sehen Parallelen zum Grooming der Affen (gegenseitiges Lausen). Wenn sich der Inhalt des Tratsches zunehmend auf einzelne Personen konzentriert oder Konflikte durch die Verbreitung von feindseligen Gerüchten ausgetragen werden, ist es nicht mehr weit zu systematischen Mobbing. Hier ist jeder Beteiligte verantwortlich, wie weit er bereit ist bei dieser Gruppendynamik mitzuspielen.

Die Forschungsergebnisse der Longevity-Expertin Susan Pinker rücken den Tratsch in ein neues, positives Licht. Alltägliche Gespräche im sozialen Umfeld haben den größten Einfluß auf die Lebenserwartung.  Alltäglichen Gespräche haben daher neben dem Vorhandensein von verläßlichen Freundschaften großen Einfluß auf das erreichbare Alter (TED-Talk). Im Kontrast dazu stellt eine unfreiwillige Einsamkeit ein Risikofaktor dar. Die Forschung hinkt noch der rasanten Entwicklung im Bereich der New Social Media hinterher, einiges spricht dafür, dass ein persönlicher Kontakt die meiste Wirkung hat (Augenkontakt, Stimme, Berührungen) und wenig durch elektronische Medien ersetzt werden kann. Daher tragen sie durch einen bewußten  Kontakt mit ihrem nahem Umfeld zu einer Verlängerung ihres Lebensalters bei #diejungbrunnen.

Advertisements

Heute schon getratscht?

In seinem Buch „Klatsch und Tratsch, wie der Mensch zur Sprache fand“ stellt Robin Dunbar die Ergebnisse seiner  Forschergruppe vor. Er bringt Untersuchungen über den Zusammenhang zwischen Gehirn-, Körper- und Gruppengröße. Kurzgesagt haben Tiere, welche ihre Nahrung sehr einfach finden, in Relation ein kleineres Gehirn (z.B. Kühe, Pferde). Bei Tieren in Gruppenverband wird ein größerer Neocortex festgestellt, da diese komplexerer Abläufe bewältigen müssen als von einem einzelgängerischen Tier. Um die eigene Gruppe zu verstehen, ist mehr Raffinesse und Einfühlungsvermögen nötig. Ohne Empathie wäre kein Gruppenverhalten denkbar, welches länger bestand hat, also hat es evolutionären Wettbewerbsvorteile gebracht. Interessant ist die Herleitung vom Lausen der Affen. Das Grooming hatte den Zweck die Kleingruppe zusammenzuhalten. Als die Gruppengröße stieg und das Lausen zu zeitintensiv wurde, könnte sich die Sprache entwickelt haben. Mittels der Sprache erreichte man mehr Mitglieder, um sie mittels Tratsch und Klatsch über Neues zu informieren, sich über Schicksale auszutauschen oder die überlebenswichtigen Normen der Gruppe zu festigen. Man konnte direkt kommunizieren, sich verbünden, sich besänftigen oder Zusagen machen. Die Kommunikation des heutigen Menschen besteht zu  einem großen Teil aus persönlichen Geschichten, bad news oder Gossip (z.B. die Faszination von Seifenopern und Serien, Talkshows). Die Kehrseite davon ist, dass gerade negative, beschämende oder peinliche (Halb)wahrheiten und Gerüche rasch Verbreitung finden. Ursprünglich hatte dies den Zweck das Überleben der Gruppe zu sichern, indem z.B. Regelverletzungen offengelegt wurden (siehe: auf den Pranger stellen). Heute kann es zu Mobbing eskalieren und jeder übernimmt seine Verantwortung für sein Tun bzw. Zusehen (Stichwort Bystander-Effekt).

 

Das Gift der Empathie

Im Beitrag des Falters über das Buch von Fritz Breithaupt  (Die dunklen Seiten der Empathie, Surhkamp) und anschließenden Interview werden neue Facetten des positiv besetzen Begriffs Empathie vorgeführt. Beim Stockholmsyndrom hat man Mitgefühl mit dem Falschen, dem Geiselnehmer. Der Terrorist hat nur Empathie für seine vermeintlich gegeißelte Gruppe. Empathische Vampire saugen einem die Lebensenergie aus, um ihre Ziele zu erreichen. Helikoptereltern lassen Kindern keine Chance auf Entwicklung, Stalker verkehren ihre enttäuschte Liebe in Hass um. Ohne Empathie wäre kein Gruppenverhalten denkbar, welches länger bestand hat, also hat es evolutionären Wettbewerbsvorteile gebracht. Interessant ist die Herleitung vom Lausen der Affen. Die Ergebnisse der Forschergruppe um Robin Dunbar sehen einen Zusammenhang zwischen Gruppenverhalten und Sprachentwicklung. Das Grooming hatte den Zweck die Kleingruppe zusammenzuhalten. Als die Gruppengröße stieg und das Lausen zu zeitintensiv wurde, könnte sich die Sprache entwickelt haben. Mittels der Sprache erreichte man mehr Mitglieder, um sie mittels Tratsch und Klatsch über Neues zu informieren, sich über Schicksale auszutauschen oder die überlebenswichtigen Normen der Gruppe zu festigen.

TED-Talk: Donald Hoffman, Do we see reality as it is?

Kognitionsforscher Hoffman erklärt sehr anschaulich seine fundamentale Kritik an der Existenz einer real erfassbaren Umwelt. Laut Evolutionstheorie hat es sich mehr bewährt, dass Lebewesen eine Wahrnehmungs-Schnittstelle entwickeln, welche ihnen Vorteile für ihre „fitness“ brachten. Also es gelang besser zu überleben und mehr Nachkommen zu bekommen. Unsere Wahrnehmung ist z.B. darauf ausgerichtet eine giftige Frucht zu erkennen und es zählt nicht, wie sie „wirklich“ aussieht. Hoffmann bringt zwei optische Täuschungen als Beispiele, die belegen, dass wir wahrgenommene Elemente im Gehirn zu sinnvollen Einheiten rekonstruieren. Offen bleibt, welche Folgen diese Annahmen für die Naturwissenschaften haben. Die alte erkenntnistheoretische Frage, ob wir die Welt wirklich erkennen können, bleibt weiterhin offen und wird sich wohl nie beantworten lassen, weil wir einfach nicht aus unserer Haut können.

Cognitive scientist Donald Hoffman is trying to answer a big question: Do we experience the world as it really is … or as we need it to be? In this ever so slightly mind-blowing talk, he ponders how our minds construct reality for us.

Understanding Evolution

Eine ausführliche Einführung in die Prinzipien der Evolutionstheorie bietet folgende englischsprachige Seite „Understanding Evolution“:

85597_evo_resources_resource_image_251_original

Welcome to Understanding Evolution

Understanding Evolution is a non-commercial, education website, teaching the science and history of evolutionary biology. This site is here to help you understand what evolution is, how it works, how it factors into your life, how research in evolutionary biology is performed, and how ideas in this area have changed over time.

 

Mobbing unter Tieren

Ursprünglich wurde der Begriff „Mobbing“ von Konrad Lorenz („Das sogenannte Böse“) eingeführt, um das Verhalten von Graugänsen zu bezeichnen, wenn sie in gemeinsamen, aggressiven Attacken einen Freßfeind, wie den Fuchs, vertreiben versuchen. In späterer Folge wurde es von Heinz Leymann für seine Studien über den Psychoterror in der Arbeitswelt im deutschsprachigen Raum eingeführt.affe
In einem Beitrag von BBC (Why bullying is such a successful evolutionary strategy) werden nun verschieden Studien zusammengefaßt, die Mobbing (im englischen als Bullying bezeichnet) unter Tieren beschreiben. Besonders interessant ist das Gruppenverhalten von Schimpansen oder Pavianen (Baboon), die dem Menschen evolutionär am ähnlichsten sind.

Ein etwas beunruhigender Schluß aus diesen Forschungen ist, dass nur besonders aggressive Männchen sich am meisten beim Kampf um die Gruppenführung (Alpha-Tier) durchsetzen und somit ihre „aggressiven“ Gene erfolgreicher verbreiten können. Dies trifft aber nicht bei allen Affenarten gleich zu. Besonders bei den Pavianen zählen auch soziale Kompetenzen wie das gemeinsame Lausen (Grooming) oder sogar Streitschlichten für eine dominate Stellung in der Gruppe (vgl. News: Auch Tiere leiden unter Mobbing).

.

Alternativen zum Wachstumswahn des aktuellen Wirtschaftssystems

In this new RSA Short, Kate Raworth makes a powerful argument to look beyond economic growth alone for a true measure of prosperity and progress.