Zwölf Tipps gegen die „digitale Depression“ bzw. das „digitale Burnout“

Zwölf hilfreiche Strategien, um vorbeugend etwas gegen die „digitale Depression“ bzw. das „digitale Burnout“ zu unternehmen werden im derstandard (12. Jänner 2017 und 2019) vorgestellt. Auch wenn sie nicht unter einer Depression oder Burnout leiden, sind diese Tipps hilfreich, um sich Gedanken über einen bewussten, stressfreien und gesunden Lebensstil zu machen.

  1. Bewusster wahrnehmen: Fotos sind wunderbar, der ungestörte Blick aber wichtig für eine intensive Erinnerung. Eine kleine Übung: Zumindest drei Sekunden bewusst wahrnehmen – dann erst zur Kamera greifen.
  2. Lautlos unterwegs sein: Schon der Eingangston einer Nachricht ist eine Unterbrechung – konzentriertes Arbeiten, eine ungestörte Unterhaltung und Ruhe lassen sich mit dem Stummmodus besser erreichen.
  3. Richtig urlauben: Von der Kommunikationsflut auf völliges Abschalten zu wechseln ist nicht leicht und erfordert Zeit. Im Urlaub bietet sich die Gelegenheit dafür.
  4. Mitmenschen nicht vergessen: Für alle erreichbar – nur das Gegenüber am Esstisch hat niemals die ungeteilte Aufmerksamkeit. Das tut keiner Freundschaft gut. Smartphone einfach in der Tasche lassen.
  5. Leerräume im Alltag genießen: Auch hier: dem automatisierten Griff widerstehen und das Smartphone gelegentlich in der Tasche lassen. Einfach mal an der Bushaltestelle stehen und „nichts“ tun, die Umgebung bewusst wahrnehmen.
  6. Nichterreichbarkeit trainieren: Wer nicht erreichbar ist, hat einen guten Grund: Man war im Museum, auf einem Spaziergang oder sonst wo auch ohne Smartphone glücklich. Das werden andere verstehen.
  7. Das Glück selbst bestimmen Nur man selbst weiß, was wichtig ist und was Spaß macht. Nicht die Likes auf Facebook, nicht die Follower auf Instagram oder die Anfragen auf Linkedin.
  8. Freunde fragen: Bevor man sich wegen eines Problems von Forum zu Forum und Video zu Video klickt, einfach Freunde oder Familie anrufen, diskutieren, voneinander lernen.
  9. Langsamkeit akzeptieren: Parallel in zehn Gruppenchats verfolgen, an welchen Projekten Arbeitskollegen arbeiten und was man anderswo verpasst? Wie ärgerlich. Und am Ende verpasst man noch, was auf der eigenen Party passiert.
  10. Langeweile genießen: Ja, gelegentlich keine Pläne, Meetings oder Geschäftsessen zu haben ist auch okay. Das wird zwar kein interessanter Facebook-Post, aber dafür ein entspannter Abend, der sehr wahrscheinlich guttut.
  11. Sich Zeit nehmen: Blaue Haken auf Whatsapp sorgen für Stress? Zeit für ein kleines Training: Mindestens zehn Minuten mit einer Antwort warten oder die Benachrichtigungen ganz abstellen
  12. Glücksmomente bewahren: Glück muss nicht über Twitter oder Facebook geteilt werden, damit es real wird. Was passiert ist, ist passiert – mit oder ohne Selfie, mit oder ohne Posting. Manche Momente werden noch schöner, wenn man sie für sich behält.
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Das „Millennial-Burnout“: Hype oder Fake

Das „Millennial-Burnout“ macht die Runde in den sozialen Medien. Wieder einmal wird versucht, einen gesamten Jahrgang in eine Schublade zu stecken (diesmal die  Millennials: Jahrgänge 1984 und 1999).  Jonas Vogt beschreibt im Standard den Hype und hat sich gleich selbst analysiert. Kurz gefasst werden Symptome beschrieben die aktuell die Gesellschaft und speziell die Arbeitswelt betreffen (Arbeitsverdichtung, Zeitdruck, permanente Erreichbarkeit, Verschwimmen von Arbeit und Privat, Prokranistation – Aufschiberitis, Reizüberflutung, Ablenkung durch Apps, Internetsucht…). Das Nichterledigen von kleinen Aufgaben wird als „neues“ Spezifikum hervor gestrichen („errand paralysis“). Aufgrund der permanenten Überlastung bleibt keinen Zeit mehr zur Post zu gehen, sich beim Arzt untersuchen zu lassen, Honorarnoten zu schreiben, ausgeborgte Bücher zu lesen oder endlich den Steuerausgleich zu machen. Hier könnte wohl etwas Zeitmanagement und Prioritäten setzen helfen (Man erinnere sich an die handgeschriebenen To-Do Liste: Was mache ich heute, was mache ich gleich, was dauert länger…).

Die psychischen Erkrankungen nehmen in unsere Gesellschaft deutlich zu, daher sollte man dies Entwicklung nicht unterschätzen. Burnout wird als Risikozustand definiert, der sich nach einer längeren Phase einer Stressüberlastung einstellen kann. Die Burnout-Trias nach Maslach umschreibt diesen kritischen Zustand näher: 1. Erschöpfung, 2. Leistungsschwäche, Konzentrationsprobleme 3. Zynismus-Widerwille. Wenn diese drei Faktoren vorliegen ist Handlungsbedarf gegeben, weil dies zu psychischen Erkrankungen wie z. B. Depressionen oder Angststörungen (Panikattacken) führen kann. Davon ist Abzugrenzen die Ermüdung nach einem „normalen“ Arbeitstag, von der man sich beispielsweise durch Freizeitaktivitäten wieder erholen kann.

Burnout-Manual für Klinik und Praxis

Lalouschek, W. (2011). Burnout-Manual für Klinik und Praxis. Wien: Verlagshaus der Ärzte.

Mit knappen Worten beschreibt Univ.Prof. Wolfgang Lalouschek seine Erfahrungen und Handlungsempfehlungen in diesem dünnen Büchlein für Allgemein-Mediziner und interessierte Fachkollegen.

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